Der Schulalltag und das wenig kollegiale Umfeld setzten mir in der 3. und 4. Klasse stark zu. Gegen Ende der Woche wurde ich oft krank – mein Körper reagierte mit Fieber, als wolle er mich aus dem Schulstress herausholen.
Nach einer Abklärung bei der Schullogopädie stand fest, dass ich die 4. Klasse wiederholen sollte. Und tatsächlich: Mit dieser Entscheidung wurde vieles leichter. Ich war deutlich seltener krank – nur vor den Ferien bekam ich hin und wieder noch Fieber.
Nach einigen Gesprächen durfte ich in die gleiche Klasse wie mein Bruder wechseln. Viele Kinder dort kannte ich bereits – sei es vom Ministrieren oder von den Veranstaltungen des Blasorchesters, bei dem Dädi mitwirkte. Das half mir, mich wohler zu fühlen.
Der Zusammenhalt in der neuen Klasse gefiel mir sehr. Endlich fühlte ich mich etwas mehr als Teil des Ganzen. Leider hielt dieses Gefühl nicht lange an. Bereits in der 5. Klasse wurde unsere Gemeinschaft wieder auseinandergerissen. Weil es zu viele Schüler waren, wurde aus den drei bestehenden Klassen eine vierte gebildet – bunt gemischt.
Zwar blieb ich weiterhin in derselben Klasse wie mein Bruder, doch viele meiner Kolleginnen aus der vierten Klasse fehlten. So war ich erneut oft allein oder verbrachte die Pausen mit jüngeren Kindern. Auch in der 5. und 6. Klasse war ich eher eine Aussenseiterin – wenn auch nicht mehr so extrem wie in den ersten Schuljahren.
Ein besonderes Erlebnis war das Klassenlager in der 6. Klasse. Wir verbrachten die Woche in Boudry im Kanton Neuenburg. Es standen viele Wanderungen auf dem Programm – unter anderem auch eine zum beeindruckenden Creux du Van. Unser Lehrer achtete stets darauf, dass ich nicht allein wandern musste. Einmal schlug er sogar vor, ich solle das Tempo vorgeben und die ganze Klasse solle sich nach mir richten. Doch das wollte ich nicht. Also wanderten die Schnelleren voraus, warteten aber immer wieder auf mich und die anderen, die etwas mehr Zeit brauchten.
Einige Schüler waren überrascht, wie ausdauernd ich war. Ich antwortete nur schmunzelnd: „Wir Baumgartners wandern halt viel.“
Ein weiterer Höhepunkt war der Ausflug an den Neuenburgersee. Dort durften alle, die wollten, Wasserski fahren. Erst wollte ich nicht – ich wusste, dass mir die Kraft fehlt, mich am Seil zu halten. Doch ich überwand meine Zweifel und wagte es. Natürlich fiel ich kopfüber ins Wasser und liess das Seil gleich wieder los. Aber ich war stolz auf mich. Nicht weil ich es geschafft hätte – sondern weil ich es überhaupt versucht habe.
